Arbeitspferde - Starke Pferde ! Internationales Magazin zur Förderung moderner und zeitgemäßer Pferdearbeit



Ausgabe 72 - Winter 2014


Ausgabe 71


Ausgabe 70


„Arbeiten und Fahren vom Boden“
auf dem Biolandbetrieb Hasenbrede in Lemgo
Wochenendseminar: Einspänniges Einfahren und Arbeiten mit Zugpferden des
IGZ-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen und der Zeitschrift STARKE PFERDE


27. und 28. Mai 2017
Das Seminar findet an einem Wochenende statt. Außer dem Thema „Ausbildung und Einarbeitung ungelernter Pferde“ in Theorie und Praxis, können je nach Wunsch und örtlichen/jahreszeitlichen Gegebenheiten auch verschiedene  land- und forstwirtschaftliche Arbeitsgeräte oder -verfahren erklärt, demonstriert oder praktisch geübt werden.
 Dieses Wochenendseminar ist besonders für Anfänger und Neueinsteiger gedacht, soll aber auch den bereits im Umgang mit Pferden Geübten Anregungen  und Tipps für die Ausbildung von Pferden zu Arbeitszwecken vermitteln. Es können (nach Absprache) eigene Pferde mitgebracht werden.

Der Lehrgang ist seit 2013 auch als IGZ-APRI-Lehrgang anerkannt.

Unterkunft und Verpflegung
Für Teilnehmer besteht die Möglichkeit im Zelt oder Campingwagen kostenlos auf dem Hofgelände zu übernachten.  Wer etwas mehr Komfort wünscht, kann von uns eine Unterkunftsliste erhalten. Eine kostengünstige Verpflegung wird von uns organisiert. Der Preis hierfür ist nicht in den Lehrgangsgebühren enthalten. Bei der Anmeldung bitte die gewünschten Mahlzeiten angeben. Eventuell mitgebrachte Pferde können in Paddocks untergebracht werden. Für Kraftfutter müssen die Pferdebesitzer selbst sorgen.
Einzelheiten wie Unterkunftsverzeichnis, Wegbeschreibung, „Stundenplan“, usw. erhalten Sie nach Ihrer verbindlichen Anmeldung.

Lehrgangsleiter: Karla Ebert, Gerd Aschoff, Erhard Schroll,Teilnehmerzahl: 16  (mind. 8)

Lehrgangsgebühr:   140,00 EUR (IGZ-Mitglieder 120,00 EUR)

Anmeldeformular anfordern: Karla Ebert

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Reportage zum IGZ-Einspänner-Lehrgang in Lemgo 2013 (STARKE PFERDE Nr. 67, 2013)
Faulenzen und Lesen hat Zeit ...

Von Sabine Beerhenke

Es sind nur 6° Celsius an diesem wolkigen, nasskalten Junimorgen. Gefühlt ist es November, und ich mache mich, wetterfest angezogen, auf den Weg nach Lemgo. Es nieselt und die Wolken hängen tief - eigentlich ein Tag zum Faulenzen und Lesen, aber ich habe schon vor Monaten diesen Lehrgang gebucht. Nun freue ich mich, dass es losgeht!

Nach und nach treffen 15 Kaltblutbegeisterte in Lemgo auf dem Biolandhof Hasenbrede bei Karla Ebert und Erhard Schroll ein. Wir kommen aus ganz Deutschland - von Gangkofen (Niederbayern) bis Hanstedt (Nordheide) - und haben alle den gleichen Wunsch: Mit Kaltblütern zu „arbeiten“ - pflügen, eggen, Holz rücken - draußen zu sein und zu lernen, was die „Dicken“ alles können!
Alle wollen mehr lernen über diese schönen, starken Pferde, die uns mit ihrer Leistungsfähigkeit und Intelligenz beeindrucken und die für uns Sinnbild für Mut, Ausdauer, Kraft und Stärke sind.

Wir sind hier, weil wir einen Kurs gebucht haben, um einspänniges Arbeiten und Fahren vom Boden zu lernen. „Wozu ist das denn notwendig?“ fragte mich kürzlich eine Freundin, als ich ihr davon erzählte. „Du hast doch gar keinen Kaltblüter!“ Nein, habe ich nicht und trotzdem bin ich in den letzten Jahren ein großer Fan dieser Pferde geworden. Ich habe beruflich viel mit Pferden aller Rassen zu tun und schon immer beeindrucken mich die „Dicken“ mit ihrer Stärke, ihrer Intelligenz, ihrem Mut und ihrer Geduld. Sie sind für mich eben nicht nur zum Reiten da, sondern sie stehen für Umweltbewusstsein, nachhaltiges Wirtschaften und Naturverbundenheit. Ich möchte dieses Wochenende nutzen zum Entspannen, zum Lernen und ich möchte Spaß haben und mich austauschen mit Menschen, die diese faszinierenden Pferde und die Arbeit, die sie leisten, genauso bewundern wie ich.

So stehen wir also fröstelnd im Nieselregen, einen Pott heißen Kaffee in der Hand und werden fröhlich von Karla Ebert, Erhard Schroll und Gerd Aschoff, unseren Ausbildern, begrüßt. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und einer Aufteilung in drei Gruppen lernen wir unsere vierbeinigen „Ausbilder“ kennen: „Eibe“, „Elix“ und „Nele“, alles erfahrene Kaltblüter, die schon so manchen Lehrgang haben über sich „ergehen“ lassen...:-)

Wir bekommen eine Einweisung in die verschiedenen Gebisse, Kopfstücke und Geschirre und schon mittags schwirrt uns der Kopf: Zugstränge, Rippscheer, Strangstutzen, Kumt und Ortscheit - wir lernen etwas über den richtigen Sitz des Geschirrs und das Material. Durchgefroren und voller Informationen gehen wir in die Mittagspause. Karla hat einen leckeren Eintopf gekocht und es gibt hofeigene Schaf-Bockwurst. Alle haben großen Hunger und der heiße Eintopf wärmt durch. Während des Essens ist die Stimmung gut und es wird gefachsimpelt und hinterfragt. Unsere vierbeinigen „Ausbilder“ „Nele“, „Eibe“ und „Elix“ kauen zufrieden im Stall ihren Hafer und ihre Rüben. Auch sie haben sich eine Pause redlich verdient.


Nach der Stärkung geht es richtig los: „Elix“ darf mit seiner Gruppe gleich „rauf aufs Feld“! Ein kleiner Acker mit kniehohem Wildbewuchs wartet darauf, hergerichtet zu werden. Durch den tagelangen Regen ist der Boden schwer und tief - also rein in die Gummistiefel und rauf auf den Acker. Alle Teilnehmer sind froh, sich bewegen zu dürfen, denn die nasse Kälte zieht ordentlich in die Kleidung. „Elix“ holt sich laut Gerd ungern „nasse Füße“ - auch ein Kaltblut hat da so seine Macken! Trotzdem legt er sich brav ins Geschirr und zieht den Pflug zügig durch den schweren Boden. Bald können die Kartoffeln gesetzt werden!

Die anderen beiden Gruppen beschäftigen sich zunächst mit der Holzrückearbeit. Dazu werden auch zwei mitgebrachte junge Pferde mit einbezogen - beide sollen hier lernen, Holzstämme zu ziehen. Liebevoll sind ihnen in ihrer Heimat erste Grundkenntnisse beigebracht worden und nun sollen sie hier weitere Kenntnisse erwerben. Ob das in so kurzer Zeit zu machen ist? „Nele“ und“ Eibe“ sind ihnen da ein Vorbild, strahlen Ruhe und Gelassenheit aus und ziehen ihren Stamm gehorsam durch die abgesteckten Tore. Für die jeweiligen menschlichen „Auszubildenden“ gar nicht so einfach mit all den Kommandos: Wist und Hott, Brrr und Oooh-Ha, Hü, Komm oder „Zurrrrück“. Manchmal scheint es so, dass die „Dicken“ uns einen großen Schritt voraus sind und selbst besser abschätzen, ob der Stamm durch das Tor passt oder nicht!
Sicherheit ist ein wichtiger Bestandteil dieses Lehrgangs! Um Unfälle zu vermeiden lernen wir möglichst gefahrloses An- und Abhängen des Stammes - immer ein Blick auf den Kameraden Pferd, wie die Leinen zu halten sind, wo der sicherste Standort außerhalb des Zugwinkels ist, und...und...und... Über den sich bewegenden Baumstamm springen ist strengstens untersagt! Immer sollte man als Fuhrmann oder -frau das Tempo bestimmen und lieber in unübersichtlichen Situationen anhalten und sich einen Überblick verschaffen! Ein „Oooh-Ha!“ oder ein „Brrrrrr!“ pariert unseren jeweiligen Partner Pferd durch und wir können gefahrlos die Seite wechseln. Überall sieht man hochrote Köpfe und das kalte Wetter ist (fast) kein Problem mehr.

Später lernen wir noch wichtige Dinge über die Ausbildung eines jungen Pferdes zum Holzrückepferd. Wie trainiere ich, das Pferd zu führen, anzubinden, zu verladen. Wie gewöhne ich es an Geschirr, Seilstränge, Schwengel und Last? Abends fallen wir alle todmüde aber zufrieden in unsere Hotelbetten oder auf unsere Isomatten. Ja, einige ganz „Abgebrühte“ zelten wirklich bei diesen Temperaturen - wenn das nicht naturverbunden ist!

Am Sonntag geht es zeitig weiter und alle sind pünktlich zum Kaffee da.
Heute wird wieder mit den Pferden gearbeitet und geübt - nachmittags soll es schließlich einen kleinen Wettbewerb geben, in dem jeder zeigen kann, was er in diesen zwei Tagen gelernt hat. Alle sind wir aufgeregt und üben fleißig. Mit welchem Pferd komme ich am besten klar? Vertraut es mir?
Sind meine Kommandos klar und laut genug? Bin ich ruhig dabei und souverän? Die Spannung steigt, als jeder nach dem Mittagessen sein „Lieblingspferd“ wählt und stolz damit in den Hindernis-Parcours geht.
Karla, Erhard und Gerd haben es uns nicht einfach gemacht: Wir müssen samt Baumstamm durch diverse enge Tore, im Slalom um einige Stangen herum, um eine Pyramide zirkeln und durch eine Gasse aus zwei Baumstämmen
Hindurch - alles ohne anzustoßen! Puh, da kommen wir ganz schön ins Schwitzen! Bewundernswert absolvieren die beiden mitgebrachten Pferde mit ihren Besitzern diese Aufgabe. Es ist erstaunlich, wie schnell Pferde mit ein wenig Geduld und Ruhe ihrem Partner Mensch vertrauen und neue Herausforderungen annehmen! Nach einer kleinen Siegerehrung gibt es noch Kaffee und Kuchen zum Abschluss, bevor sich alle zufrieden auf den Heimweg machen.


Natürlich gilt an dieser Stelle unser Dank den drei Ausbildern samt Pferden und allen Helfern! Es hat riesigen Spaß gemacht, von und mit ihnen und „Eibe“, „Elix“ und „Nele“ zu lernen! Sie haben ein tolles „Händchen“ für den Umgang mit den Kaltblütern und wir sind super verpflegt worden. Jeder von uns hat die Zeit genossen und wir nehmen viele Ideen und Tipps mit nach Hause. Und falls noch einmal jemand fragt, warum man so einen Kurs macht: Weil es unheimlich viel Spaß macht, mit den Pferden zu lernen und zu arbeiten, viel gelacht, der ganze Tag draußen verbracht wird und man in so einem Kurs lauter nette Leute kennenlernt, die versuchen, den Kaltblüter in Tourismus, Forst und Landwirtschaft oder als Hobby weiter einzusetzen. Faulenzen und Lesen hat Zeit... :-)

   

Unsere